• Karolina Kulik

Darf's ein bisschen weniger sein? Downsizing in der Architektur

Aktualisiert: März 4

Der originale Bauwagen aus der Sendung "Löwenzahn" auf dem Gelände des Filmparks Babelsberg: sieht so das reduzierte und nachhaltige Wohnen aus?

Der Klimaschutz ist momentan in aller Munde: Heizenergie sparen, Plastik vermeiden, Fleischkonsum einschränken und das Auto stehen lassen. Darüber hören und lesen wir jeden Tag. Was aber bedeutet das Bauen für die Umwelt? Was können Sie als Bauherr tun?


Neben dem energieeffizienten Bauen und dem Verwenden ökologisch unbedenklicher Baustoffe gibt es noch eine Möglichkeit, über die noch nicht ganz so häufig berichtet wird: das Downsizing der Architektur oder auch der bauliche Minimalismus.



Was bedeutet der bauliche Minimalismus für Sie als Bauherr?


Mehr unbebaute Flächen heißt mehr unberührte Natur.

Jede Bautätigkeit ist ein Eingriff in die Natur. Auch wenn es gelingen sollte, nur recyceltes Material zu verwenden oder mit den natürlichsten Baustoffen zu arbeiten. Es wird ein Stück Natur in Bauland verwandelt, durch den Menschen bearbeitet und versiegelt. Und dabei dürfen wir nicht nur die Grundfläche des Gebäudes an sich sehen. Es ist die gesamte Baugrube, die Leitungsgräben, die Lagerplätze für Baustoffe auf der Baustelle, die Baustraßen. Wenn der Bagger erst einmal anrückt, begräbt er unzähliges Leben unter sich. Der belastete Anteil des Baugrundes fällt kleiner aus, wenn die Grundfläche der Bebauung verkleinert wird.


Einsparung von Baumaterial schont die Umwelt.

Je kleiner wir bauen, desto kleiner ist der gesamte ökologische Fußabdruck unseres Tuns. Denn der gesamte Kreislauf einer Gebäudeerrichtung wird schlanker. Der Baustoffverbrauch sinkt erheblich, was die Umwelt schont. Die Baustoffindustrie trägt einen maßgeblichen Teil zur Klimabelastung bei, wie etwa die Zementherstellung oder der Sandabbau. Lesen Sie hier:


https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-05/rohstoffmangel-sand-bauwirtschaft-umweltverschmutzung-unep


Die Transportkosten- und Aufwände im Prozess der Gebäudeerrichtung sinken, wenn wir kleiner bauen. Die Energiekosten zur Beheizung oder Kühlung des Gebäudes, die Aufwände zur Pflege und Reinigung fallen geringer aus. Und zuletzt die Entsorgung der anfallenden Bauabfälle, bis hin zur Demontage des Gebäudes am Ende seiner Lebensdauer. Die Faustregel zieht sich durch den gesamten Prozess: je weniger Baumasse, desto kleiner die Klimabelastung.


Eine Verkleinerung der Baumaßnahme spart Bauzeit.

Weitere positive Effekte der Verkleinerung ihres Bauvorhabens wirken sich direkt positiv auf Sie persönlich aus. Je größer ein Bauvorhaben, desto länger die Projektzeiten. Bauen Sie also kleiner und sparen Sie Zeit.


Eine Verkleinerung des Bauvolumens spart Geld.

Durch die Verkleinerung der Baumasse können Sie eine Menge Kosten sparen. Ein Beispiel: derzeit arbeite ich an der Vorplanung eines Wohnhauses mit der Grundfläche von ca. 8,00 m x 12,00 m. Die Bauherren haben die schwierige Aufgabe zu entscheiden: Keller oder kein Keller? Die Kosten für die Errichtung des Kellers liegen für dieses Projekt bei ca. 80.000 €. Ein Gebäude kann man natürlich nicht mehr nachträglich unterkellern. Doch die Ersparnis ist verlockend.

Dasselbe gilt für die Grundstückspreise. In den letzten Jahren steigen die Preise unermüdlich. Weniger Wohnfläche, weniger Baugrund, weniger Kosten.


Und wie geht es nun, das Downsizing in der Architektur?

Die Umsetzung ist natürlich ganz individuell zu planen. Kleiner zu bauen heißt nicht, dass die Planung einfacher wird. Ganz im Gegenteil: es müssen intelligente und durchdachte Lösungen her, weg vom gewohnten Standard. Ihr Architekt wird gefordert, Räume zu kombinieren, Stauräume zu finden, Flurflächen einzusparen, vielleicht sogar flexible Einbauten vorzusehen.

Auch alle technischen Normen und Bauvorschriften müssen eingehalten werden, egal wie groß das Haus ist. Der Schlüssel aber sind Sie als Bauherr. Sie stellen die Anforderungen auf und nennen Ihrem Architekten den Raumbedarf. Ich habe in meinem Blog schon einmal über die Ermittlung der richtigen Hausgröße geschrieben, holen Sie sich hier ein paar Tipps: https://www.kulik-architektur.de/post/was-brauche-ich-teil-1-des-bauherren-leitfadens-zu-einer-gelungenen-hausplanung


Der bewusste Umgang mit der Umwelt beim Bauen zahlt sich also vielfach aus.

Zum Schluss und um ein bisschen Mut zu machen, möchte ich ein aktuelles Projektbeispiel aus Spanien zeigen. Es ist ein Umbau einer 33 qm Wohnung in Madrid. Unkonventionell und pfiffig:

https://www.detail.de/artikel/maximaler-wohnraum-auf-minimaler-flaeche-wohnungsrenovierung-von-elii-34479/

Schöne Grüße, Karolina Kulik, Architektin