Neubau Doppelhaushälfte

Eine Haushälfte in den eisernen Klauen eines zeitgenössischen Bebauungsplans...

So kann er aussehen, der so genannte Bebauungsplan. Dieser hier stammt von 2009 und bringt allerhand Vorgaben für die mögliche Bebauung der Grundstücke dieses konkreten Baugebiets. Für das zu bebauende Grundstück galt: 

- vordere und hintere Bebauungsgrenze

- Anzahl der Vollgeschosse

- Ausnutzung des Grundstücks (GRZ und GFZ)

- Vorgabe der Dachform

- maximale Trauf- und Firsthöhe

- die Vorgartengestaltung (Stellplätze und Nebenanlagen)

- Belag der Zufahrten und Wege

- die Erfordernis einer Zisterne

- und und und.....

Dürfen die das? 

Ja, das dürfen sie, und das müssen sie sogar, um einem Stadtviertel eine übergreifende Gestaltung zu geben. Das verhindert, dass jemand einen Wolkenkratzer oder eine Autowaschanlage direkt vor Ihr Wohnzimmer baut. Es sorgt auch dafür, dass Platz für natürliche, unversiegelte Flächen bleibt, und das ist ein Aspekt, der in unseren hochverdichteten Städten immer wichtiger wird.

Wie kann ich dennoch individuell bauen?

Ich plante dieses Haus für eine vierköpfige Familie. Der Bebauungsplan ließ aber nur eine Grundfläche von 84 qm für das Wohnhaus zu. Wir haben das Grundstück so weit es ging ausgenutzt und uns für jeden Winkel der drei Geschosse Gedanken gemacht, um das Maximum an Wohnfläche herauszuholen.

Dabei mussten die Bauherren in Kauf nehmen, dass sie im Obergeschoss und im Dachgeschoss mit Dachschrägen leben müssen. Sie können es ahnen: durch die Bebauungsplanvorgaben zur Höhe und Vollgeschosszahl war es nicht anders möglich. 

Bei einer Doppelhaushälfte wie dieser können an der Grenzwand zum zukünftigen Nachbar keine Fenster eingeplant werden. Auch wenn ich lichtdurchflutete Treppenhäuser liebe und empfehle, in diesem Fall war es die beste Wahl, den Zimmern das meiste natürliche Licht zu geben und die Treppe in den dunkelsten Teil des Gebäudes an der geschlossenen Grenzwand zu legen.

Im Erdgeschoss befindet sich nun der Koch-, Ess- und Wohnbereich. Unmittelbar in der Nähe des großzügigen, familiengerechten Eingangs, sind der Technikraum und ein WC angeordnet.

...vielen Dank nochmal für die geleistete Arbeit

und das hundertprozentig zufriedenstellende

Ergebnis. Es hat uns wirklich Spaß gemacht mit Ihnen zu planen

Das Obergeschoss ist ein Schlafgeschoss. 

Sehr pfiffig fand ich die Bauherrenidee, den 

Hauswirtschaftsraum in diesem Geschoss 

unterzubringen, denn dort fällt die meiste Wäsche an. 

Im Badezimmer haben wir weiter gezaubert. Die Objekte, die wenig Stehhöhe benötigen, wurden unter der Dachschräge platziert. Sie denken: seit wann braucht die Dusche keine Stehhöhe? Wir haben die begehbare Dusche recht lang geplant, unterhalb der Dachschräge wurde eine Sitzgelegenheit vorgesehen.

Gerade so möglich war die Fortführung der Treppe in das Dachgeschoss. Der Bauherr, ein groß gewachsener Mann, muss ein wenig den Kopf einziehen. Aber dieses extra Zimmer unter dem Dach, ein Arbeits- und Rückzugsort, wird nicht so oft benutzt wie die anderen Räume. Diesen Kompromiss nahmen die Bauherren an, um das Dachstudio zu verwirklichen.

Badezimmer

Sie haben Interesse an individuellem Planen? 

Dieser Artikel könnte Sie ebenfalls interessieren:

https://www.kulik-architektur.de/post/individuelles-planen